Montag, 5. September 2016

Kunst im Park

Der Nationalpark Hoge Veluwe und das mitten im Park errichtete Kröller-Müller Museum sind schon lange kein Geheimtipp mehr. Und so radeln wir mit unseren weißen Rädern, die an den Parkeingängen den Besuchern kostenlos zur Verfügung stehen, durch Heidefelder und Wälder, durch Dünen und Wiesen und begegnen dabei immer wieder fröhlich plaudernden Gruppen Japanern, Italienern, Deutschen und Niederländern. Vor allem jetzt im Spätsommer, wenn die Heide große Flächen in ein dunkles und bei Sonne strahlendes Lila taucht, wird der Nationalpark Hoge Veluwe zur Touristenattraktion. Zu Recht.



Kunst im Herzen des Parks

Im Mittelpunkt des Nationalparks befindet sich das Kröller-Müller Museum. Hier legen die meisten Nationalpark-Besucher einen Zwischenstopp ein, denn das Museum gehört zu den bedeutendsten Kunsttempeln der Niederlande und beherbergt die zweitgrößte Vincent van Gogh-Sammlung der Welt (nach dem Van Gogh-Museum in Amsterdam). Insgesamt 90 Gemälde und über 180 Zeichnungen von Van Gogh besitzt das Museum. Zusammengetragen wurden diese Werke von Helene Kröller-Müller. Die vermögende, deutschstämmige Kunstsammlerin erwarb Zeit ihres Lebens 11.500 Kunstwerke, darunter auch Kunst von Claude Monet, Georges Seurat, Giacometti, Pablo Picasso und Piet Mondrian.



Der Kunst ein Zuhause

Für ihre umfangreiche Kunstsammlung ließ Helene Kröller-Müller eigens ein Museum errichten. Dafür beauftragte sie den Architekten Henry van de Velde, der inmitten der heute zum Nationalpark erklärten Landschaft einen lichtdurchfluteten, modernen Flachbau konstruierte, der - ebenso wie die Kunstsammlung - äußerst sehenswert ist. Das Gebäude wurde 1938 eröffnet und um einen Skulpturengarten erweitert, der als der größte Europas gilt.


Europas größter Skulpturenpark

Auf einer Fläche von 25 Hektar finden tatsächlich eine Menge Skulpturen Platz und man sollte etwas Zeit mitbringen, um sich alle 160 Werke ansehen zu können. Sie stammen von Künstlern wie Aristide Maillol, Arp, Rodin, Christo, Armando und Henry Moore. Für Kinder sind vor allem das riesengroße Areal des begehbaren Kunstwerkes „Jardin d'Email“ von Jean Dubuffet ein Erlebnis, in dem sie herumtoben können, oder der stählerne Turm namens Needle Tower von Kenneth Nelson, in dessen Zentrum ein Stuhl steht, sodass ein Blick nach oben einen Stern zaubert.



Den Nationalpark Hoge Veluwe und das Kröller-Müller Museum besuchen

  • Der Nationalpark Hoge Veluwe hat Eingänge in Schaarsbergen, Hoenderloo und Otterlo.
  • Dort stehen Hunderte weißer Fahrräder bereit, die zum Entdecken des Parks auf zwei Rädern einladen.
  • Der Mietpreis für das Fahrrad ist im Eintrittspreis des Nationalparks enthalten. Kosten: Erwachsene: € 9,15, Kinder: € 4,60
  • Wer zusätzlich das Kröller-Müller Museum inmitten des Parks besuchen möchte (sollte man unbedingt machen), der zahlt für das Museum und den Skulpturenpark zusätzlich € 9,15.
  • Das Museum ist von Dienstag bis Sonntag sowie an Feiertagen von 10.00 bis 17.00 Uhr geöffnet; der Park bis Sonnenuntergang.
  • Wer nicht mit dem Fahrrad zum Museum fahren möchte, der kann das Auto nehmen (Zusatzkosten: € 6). 



Dienstag, 19. Juli 2016

Strandlektüre!

Sommer, Sonne, Strand – und Urlaub in Holland. Leuk! Und welches Buch muss ins Gepäck, das sich locker-leicht lesen lässt? Ich hätte da eine Idee: „Holland für die Hosentasche. Was Reiseführer verschweigen“ aus dem Fischerverlag und für nur 10 Euro im Buchhandel oder bei Amazon erhältlich. Geschrieben hat es Ulrike Grafberger, also ich selber.

Nun ist es gar nicht so leicht, über ein Buch zu schreiben, das man selbst geschrieben hat. Deswegen fange ich am besten mit dem an, was andere davon halten ...


Leser- und Pressestimmen


»Klein aber sehr fein, ein super Reiseführer durch die Niederlanden, mit facettenreichen Informationen.«
Reisetravel.eu

»Ein kleines Buch […], das wundervoll ist und uns die Holländer und ihr Land erklärt.«
Martina Straten, Radio Salü

»Das Format des Buches passt in jede Tasche und macht es zum unentbehrlichen Begleiter für alle, die Holland und die fahrradfahrenden Bewohner (neu) entdecken wollen.«
Ludwigsburger Wochenblatt

»Nach der Lektüre geht man mit völlig anderen Augen durch die Straßen Hollands. Wer sich wirklich für Land und Leute in Holland interessiert, muss es sich besorgen. Ein kurzweiliges, interessantes und schön geschriebenes Must-have für den Hollandurlauber oder den, der es werden möchte :-)«
Amazon-Kunde


Holland für die Hosentasche


Im letzten Jahr wurde ich vom Fischerverlag gefragt, ob ich ein Buch über Holland schreiben möchte. Der Anlass: Holland und Flandern sind gemeinsam Ehrengast der Frankfurter Buchmesse 2016. Im April erschien dann „Holland für die Hosentasche. Was Reiseführer verschweigen.“ Und tatsächlich: Das Buch passt in jede Tasche, doch mit über 280 Seiten steht auch eine Menge drin. Aber was genau?

  • Was ist typisch holländisch? Da wären Toleranz und Freiheitsliebe, aber auch Sparsamkeit, was sich an den vielen Bonus- und Rabattkarten in jedem holländischen Geldbeutel zeigt. Doch die Holländer sind auch für ihre unkonventionellen Ideen bekannt. Gräber im Lärmschutzwall, eine vom Arbeitsamt finanzierte Ausbildung zum Hellseher, die Fisch-Disco im IJsselmeer und ein Solar-Radweg – in Holland ist alles möglich! Außerdem verrate ich, warum sich Holländer zur Begrüßung drei Mal küssen, weshalb sie an Ostern Möbel kaufen und zu welchem Anlass sie Rucksäcke an Fahnenstangen hängen.
  • Die Holland-Klassiker: Kommen Tulpen, Holzschuhe, Käse und Windmühlen wirklich aus Holland? Und warum heißen die Holländer eigentlich Käsköpfe? Diesen und anderen Themen gehe ich in meinem Buch auf den Grund.

  • Das holländische Essen. Manche sind der Meinung, in Holland gebe es keine Esskultur. Andere wiederum lieben patat, frikandel, kibbeling und haring. Viel Interessantes über das holländische Essen und Pommes in der „Kriegsversion“ steht in „Holland für die Hosentasche“.
  • Die Holländer lieben ihr Königshaus. Wie Königin Máxima zur Ehestifterin wurde, warum König Willem-Alexander mit Kloschüsseln wirft und welche Hobbys die Prinzessinnen haben, das erzähle ich in meinem Buch.
  • In Holland ist alles klein, selbst im Sprachgebrauch. In Holland sitzt man bei schönem Wetter im „zonnetje“, trinkt ein „colatje“ und raucht ein „sigaretje“. Alles ist sehr „gezellig“ und „leuk“. Doch wenn sich die Holländer aufregen, dann reicht die Spannweite der Schimpfwörter vom Pimmel bis zum Himmel.
  • Kultur: Rijksmuseum und Van Gogh-Museum kennt jeder. Aber dass es in Holland auch ein Irrenhaus-Museum, ein virtuelles Schuh-Museum, eine auf dem Dachboden eines Grachtenhauses versteckte Kirche und eine Hexen-Waage gibt – wer hätte das gedacht?
  • Politik und Gesellschaft: Wo Gleichberechtigung groß geschrieben wird und sich Väter und Mütter die Kindererziehung teilen, dort kann man sich auch vorstellen, dass der Ministerpräsident mit dem Fahrrad zum Albert Heijn-Supermarkt fährt, um die Einkäufe für seine Mutter zu erledigen.

Welch ein schönes, freies, sympathisches und etwas verrücktes Land ist es doch, in dem ich lebe! Mein „Holland für die Hosentasche“ ist somit auch eine Liebeserklärung an meine neue Heimat, in der ich seit 12 Jahren lebe. Und ja, die ideale Strandlektüre ist dieses Büchlein natürlich auch!






Donnerstag, 21. April 2016

Weltpremiere: Ein Kunstwerk erzeugt Wasser

Das Unmögliche möglich machen – so könnte man die Lebenseinstellung des niederländischen Künstlers Ap Verheggen umschreiben. Er lässt sich in seinem künstlerischen Schaffen nicht einschränken; er denkt groß. Aus seiner Hand stammen die 3,6 Metern hohen Metallskulpturen im Hauptgebäude von Shell sowie das Projekt Cool(E)Motion, für das er zwei riesige Skulpturen auf einem Eisberg in Grönland platzierte, um auf die Klimaveränderung aufmerksam zu machen. Nun also ein Gletscher in der Wüste – warum auch nicht.


Arbeiten mit den Elementen

Ab 22. April 2016 wird Ap Verheggens neuestes Werk im Museum Beelden aan Zee in Den Haag/Scheveningen zu sehen sein: der DC01, der Beginn des Projektes SunGlacier, das "Gletscher" in Wüstengebieten errichten möchte. Der DC01 ist das erste Kunstwerk der Welt, das Wasser aus sich selbst heraus produziert. Und das geht so: Über Sonnenkollektoren wird Energie gewonnen, die der Luft Wasser entzieht. Dieses Wasser gefriert erst, taut dann langsam wieder auf und setzt mehrmals pro Stunde eine Wasserfontäne frei. Man könnte es als einen hölzernen Geysir bezeichnen.


Art meets science

Die Skulptur besteht aus Zedernholz. Für die spitz zulaufende, circa 2,5 Meter große Skulptur ließ sich Ap Verheggen von Wasserspritzern inspirieren. Soweit die Kunst. Doch Ap Verheggens DC01 ist viel mehr als eine schöne, hölzerne Fontäne. Hinter SunGlacier versteckt sich ein Art-meets-science-Projekt, an dem der Künstler seit 2010 gemeinsam mit Wissenschaftlern wie Frank van der Heijden und Jan Alkemade arbeitet. Ihr Ziel ist es aufzuzeigen, dass aus bestehenden und überall zu erwerbenden Technologien auch in extrem trockenen Gebieten Wasser gewonnen werden kann.



Sonne + Luft = Wasser

Mit der Kraft der Sonne wird also Feuchtigkeit aus der Luft in Wasser umgewandelt. Und je stärker die Sonne scheint und je höher die Temperatur ist, desto mehr Wasser wird produziert. In Zeiten des weltweit herrschenden Wassermangels will Ap Verheggen mit dem SunGlacier-Projekt ein Zeichen setzen, um den Folgen des Klimawandels kreativ zu begegnen. „Wenn sich die Welt verändert, dann müssen wir uns ihr anpassen,“ so der Künstler.


Die ersten Schritte sind getan.

Ziel des SunGlacier Teams um Ap Verheggen ist es, Wissenschaftler und Forscher zu inspirieren, mit diesen Technologien weiter zu arbeiten. „Alles steht bereit, die ersten Schritte sind gemacht. Jetzt können Universitäten und Forschungsabteilungen die Technologien mit uns weiter entwickeln,“ so der Projektleiter Jan Alkemade.

Wir drücken also ganz fest die Daumen, dass der im Museum Beelden aan Zee ausgestellte DC01 der Beginn von etwas ganz Großartigem sein wird. Es scheint, als ob das Unmögliche doch möglich sei.


Weitere Informationen unter Sunglacier.nl (auch in Englisch) und Museum Beelden aan Zee

Zu sehen ist der DC01 des SunGlacier-Projektes im Museum Beelden aan Zee in Scheveningen, Den Haag, direkt am Strand-Boulevard in der Harteveltstraat 1.

Geöffnet: Di-So 10-17 Uhr, Eintritt: 15 Euro




Dienstag, 12. April 2016

Holland im Tulpenrausch

Der Bollenstreek


In der Gegend rund um Noordwijk, Lisse und Haarlem sieht man im Frühling – so weit das Auge reicht - bunte Tulpenteppiche. Sie sind Teil des sogenannten bollenstreeks, des holländischen Tulpen-anbaugebietes, das sich vor allem in Küstennähe von Den Helder im Norden über Alkmaar bis fast vor die Stadttore Den Haags erstreckt. Der bollenstreek ist das größte Tulpen-Anbaugebiet der Welt und deckt 80 Prozent des weltweiten Bedarfs an Tulpenzwiebeln.



Hier kann man im Frühling die kleinen Landstraßen abfahren und sich an den Tausenden Tulpen erfreuen. Vor allem rund um Lisse, Noordwijk, Noordwijkerhout, Sassenheim, Hillegom und Voorhout stehen die Felder in Blüte. Tipps: Zwartelaan, Essenlaan und Loosterweg-Zuid in Lisse; Veenenburgerlaan, Zuider Leidsevaart und Derde Loosterweg in Hillgegom; Herenweg und Westeinde in Noordwijkerhout.


Blumenparadies Keukenhof


Größter Anziehungspunkt im Frühling ist der Keukenhof, der vor allem fotobewaffnete Japaner und Chinesen anlockt, die busseweise angekarrt werden. Während der nur achtwöchigen Öffnungszeit (Mitte März bis Mitte Mai) besuchen rund 800.000 Menschen das Tulpenparadies, in dem rund 7 Millionen Tulpen, Hyazinthen und Narzissen blühen. Angeblich soll der Keukenhof der am häufigsten fotografierte Ort der Welt sein.

Fotos oben: Keukenhof

Tulpenfestival in Amsterdam


In Amsterdam wird im April das Tulpenfestival gefeiert. Dann zieren 500.000 Tulpen in 400 Sorten an 60 Standorten die Stadt. Zu den Standorten zählen der Museumplein, das Fotomuseum Eye, der Dam und der Rembrandtplein. Die Tulpen stehen in großen Blumentöpfen oder Blumenrabatten auf den Plätzen und sind eine wahre Augenweide. Mehr Infos über Amsterdam findet ihr in meinem Amsterdam-Blog.




Die Geschichte der Tulpe in Holland


Eigentlich stammt die Tulpe gar nicht aus Holland, sondern aus Zentralasien. Von dort gelangte sie im 16. Jahrhundert über den Hof des osmanischen Sultans in Istanbul weiter nach Deutschland und dann nach Holland, genauer gesagt nach Leiden. Dort pflanzte sie der Botaniker Carolus Clusius im Leidener Universitätsgarten an. Bald war die Tulpe in Holland so beliebt, dass es Mitte des 16. Jahrhunderts zu einer wahren Tulpenmanie kam. Tulpen waren so begehrt, dass man einen Sack Tulpenzwiebeln gegen mehrere Häuser eintauschen konnte. Den Rekord stellte eine Tulpenzwiebel namens Semper Augustus auf. Für eine einzige Tulpenzwiebel dieser Sorte war man bereit, den Preis eines Grachtenhauses zu bezahlen.

Weitere Infos über das Tulpenland Holland in meinem neuen Buch Holland für die Hosentasche.